Neviges
Maria Empfängnis

Artikel über die Renovierung der Orgel in St.Mariä Empfängnis in Neviges in der Ausgabe Velbert der WAZ vom 28.07.2001:
WVE
WAZ
28.07.01

Hier wird bald wieder viel Wind gemacht

In St. Mariä Empfängnis steht die Renovierung der Barockorgel kurz vor der Vollendung

Bei den sechs Fachleuten aus der Eifel ist Land in Sicht. Seit April verging kaum ein Tag, an dem die Mannen von Orgelbaumeister Hubert Fasen nicht lautstark in der Kirche St. Mariä Empfängnis zu vernehmen gewesen wären. Ihr Auftrag: Der Barockorgel nicht allein die Flötentöne wieder beizubringen.

Berufsbedingt hat es Hubert Fasen viel mit Pfeifen zu tun; in der katholischen Klosterkirche zu Neviges sind es immerhin 1670. Sie alle zusammen bilden gleichsam den Hofstaat der Königin aller Instrumente - der Orgel. Über die Jahre sei sie ein wenig schwach geworden auf dem Gebläse, bei der Intonierung haperte es hörbar, Materialschwächen hatten sich eingestellt, berichtet Fasen. Schmutz und Staub taten ein Übriges, so dass man in der Gemeinde überein kam, Haushaltsmittel bereit zu stellen, beim Erzbistum Köln anzufragen und die Spendentrommel zu rühren, um eine komplette Renovierung der kostbaren Barockorgel in Angriff nehmen zu können.

Fasen und seine Spezialisten bekamen den Zuschlag. Im Bistum Trier, aber auch in der übrigen deutschen Orgellandschaft gehören sie zur ersten Garde, wenn es um behutsames Restaurieren und Reparieren betagter Orgeln geht. Übermäßiges Klappern gehört bei dem stämmigen Mann aus Oberbettingen nicht zum Handwerk, doch einige Male habe der doch mit dem Kopf schütteln müssen, als er sich durchs Gedärm der wuchtigen alten Dame arbeitete und den Spuren früherer Reparaturanstrengungen folgte. Beispiel Trakturen: Einige Teile wurden in den 70er Jahren durch Aluminium ersetzt, konstatiert er. Eine damals durchaus gängige Praxis, denn das Leichtmetall galt als belastbar und kostengünstig. Wenn Fasen solche Schritte nun wieder rückgängig macht, hat dies nichts mit übertriebenem Purismus zu tun. Fasen bleibt bei seinen Leisten, weil sich Holz den unterschiedlichen Witterungen und Luftfeuchtigkeitswerten anpasst und in der Länge ausdehnt, so der Orgelbauer.

Überhaupt scheint der Fortschrittsoptimismus vergangener Epochen auch im Orgelbau einer nüchternen Skepsis gewichen. Von Pneumatik und elektrischen Steuerungen sei man heute wieder ab. Kunststoffschläuche, die dem Blasinstrument bislang die Luft zuführten, ersetzte Fasen wie die Altvorderen ehedem durch sauber geschreinerte Fichtenholzkanäle. Die halten wieder einige Jahrhunderte, rechtfertigt Fasen den Aufwand.

Vernunft waltet bei der Auswahl der Werkstoffe, denn erfahrungsgemäß muss eine Kirchenorgel ein Wechselbad von Temperaturen aushalten. Daher appelliert Fasen auch an das Verantwortungsgefühl der Gemeinde, wenn es ums heikle Thema Heizen geht: Idealerweise variiert die Temperatur im Kirchraum zwischen 10 Grad und 16 Grad Celsius, eine Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent ist der Funktionstüchtigkeit des Instruments sehr zuträglich.

Nachdem zuletzt das Dichtungssystem der Windladen erneuert, der Balg frisch verledert, abseits positioniert und die tür-ähnlichen Zugänge des Barockgehäuses zum Spielwerk durch Verstrebungen verstärkt wurden, um unerwünschte Vibrationen des Korpus während des Spielbetriebs zu vermeiden, sorgt Fasen nun für Stimmung. Prinzipalregistern und Gamben haben wir wieder mehr Charakter antrainiert, feixt er. Aufwendig werden beim Überarbeiten der gedeckten Pfeifen Schutzdeckel abgeschnitten, um danach neue Deckel aufzulöten. Auch hier werden eben Lösungen für die Ewigkeit favorisiert.

Kantorin Ulla Klose nutzte die Gunst der rund 2000-stündigen Totaloperation, um einen zusätzlichen Registerwunsch zu äußern. Sie bekommt eine Trompete fürs Pedal, verrät Fasen leise. Alles in allem, vermutet der Fachmann, werde Musikerin und geneigte Zuhörerschaft nach Vollendung der Arbeiten zwar kein neues Instrument, aber ein akustisches Aha-Erlebnis haben. Hubert Fasen steht im Wort: Am 2. September wird die Orgel erstmals wieder in einem Konzert zu hören sein.

ms

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der WAZ.

Letzte Änderung am 08.06.2009
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