Kirchsahr,
St. Martin

Die historische Orgel

Erbauer: Balthasar König (?), restauriert 2007/08

Neben ihren bisher bekannten Kunstschätzen, u.a. dem Flügelaltar des 15. Jahrhunderts aus der Kölner Schule um Stefan Lochner(?) und der seltenen "Türkenmadonna" aus dem 17. Jahrhundert, besitzt die Pfarrkirche St. Martin in Kirchsahr noch ein weiteres Kleinod: die unscheinbare Orgel auf der Westempore, die laut Kaufvertrag vom 17. Februar 1867 ohne Gehäuse aus Altenahr nach Kirchsahr kam, stammt höchstwahrscheinlich vom bekannten Eifeler und späteren Kölner Orgelbauer Balthasar König.

Die Um- und Instandsetzung der Orgel nahm Orgelbauer Josef Müller aus Reifferscheid vor. Im 20. Jahrhundert erfolgten wohl mehrere Umdisponierungen und Reparaturen.

Nach gründlicher Untersuchung des Instrumentes in unserer Werkstatt und Vergleich mit anderen, überlieferten König- Orgeln, kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einem ursprünglichen Instrument aus der Werkstatt Balthasar Königs ausgehen. Als auffallende Merkmale sind hier Pfeifensignaturen, Details der Registersteuerung und die Machart von Windladen und Pfeifenstöcken zu nennen. Die detaillierte Untersuchung der Pfeifenstöcke hat auch die wahrscheinliche ursprüngliche Disposition ergeben:

Manual:
Hauptwerk (C,D - c''')

Pedal

Aus Platzgründen konnte das Instrument so nicht in Kirchsahr aufgebaut werden, die ersten Dispositionsänderungen wurden also spätestens durch Müller beim Umsetzen der Orgel vorgenommen.

Die gedeckten Pfeifen, die jetzt im Prospekt aussen stehen, sind von älterer Bauart; es handelt sich wahrscheinlich um gekürzte, ehemals offene (Prospekt?)- Pfeifen, die König evtl. aus einem Vorgängerinstrument übernommen hatte. Die Pedalwindlade und die Subbass-Pfeifen sind Ergänzungen des 20. Jahrhunderts.

Nachdem verschiedene Gestaltungskonzepte diskutiert worden waren, entstand schliesslich ein Halbgehäuse, dass die Orgeltechnik schützt, aber nicht versucht, die schwierige Aufstellungssituation des Instrumentes zu beschönigen (Pfeifen ab ca. 3' Länge ragen in einen Ausschnitt im Kirchengewölbe).


Ansicht des Spieltisches.

Raumansicht
Raumansicht vom Altar.

aktuelle Disposition nach der Restaurierung:

Manual:
Hauptwerk (C,D - c''')

Pedal: (C - h)

(die fett gedruckten Register sind wahrscheinlich von Balthasar König (z.T. unter Verwendung noch älterer Pfeifen). Die kursiven Register entstammen dem 20.Jahrhundert, die beiden Zungenregister Trompet und Vox humana sind neu eingebaut.
Als Temperatur der Orgel haben wir eine mitteltönige Stimmung in Anlehnung an die rekonstruierte König- Stimmung in Niederehe vorgenommen.


Das Pfeifenwerk mit den rekonstruierten Zungenregistern.

Letzte Änderung am 14.10.2010
© Hubert Fasen 2000 - 2009

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